5. - 6. Juni

Partnerinterviews

Interviews 2023

Lesen Sie hier, was unsere Partner im Vorhinein des BDEW Kongress 2023 bewegt.

Christian Heine

Sprecher der Geschäftsführung, Hamburger Energiewerke

Warum haben Sie sich für eine Partnerschaft zum Thema „Lokale Herangehensweise sichert Effizienz für eine klimafreundliche Wärmewende“ entschieden?

2023 ist das Jahr der Wärmewende. Mit dem Werkstattbericht des BMWK, den mit Spannung erwarteten Gesetzesentwürfen für eine verpflichtende kommunale Wärmeplanung und einer Novelle beim Gebäudeenergiegesetz sehen wir in diesem Jahr gleich drei Veröffentlichungen, die für die gesamte Branche richtungsweisend sind. In Hamburg haben wir uns längst auf den Weg gemacht, die Wärmeversorgung zu defossilisieren. Die Themensession bietet sich daher bestens an, unsere Erfahrungen zu teilen, zu schauen, wie andere die Aufgabe angehen und wo es Verbesserungsbedarf gibt auch seitens der Gesetzgebung! Und natürlich freuen wir uns auf den Austausch mit dem Publikum und erhoffen uns spannende Diskussionen.

Was sind die größten technischen und betriebswirtschaftlichen Herausforderungen in diesem Bereich?

Die Branche leistet an vielen Stellen Pionierarbeit. In Hamburg steigen wir bis 2030 komplett aus der Kohle aus. Dafür setzen wir auf einen Mix aus Abwärme, saisonalen Wärmespeichern, Power-to-Heat-Anlagen, Flusswassergroßwärmepumpen und auf effiziente KWK-Anlagen und Biomasse. Für Vorhaben dieser Größenordnung gibt es kaum Vorbilder – weder in Deutschland noch weltweit. Und die Investitionskosten betragen mehr als 1,9 Milliarden Euro. Parallel dazu ertüchtigen wir das Leitungsnetz, um die zusätzliche Wärme auch in die Haushalte zu bekommen. In der Hamburger City bauen wir zurzeit einen neuen Elbtunnel für die Stadtwärme. Ein Teil solcher Vorhaben lässt sich nur umsetzen, wenn sie von öffentlicher Hand gefördert werden.

 

Welche Geschäftsmodelle ergeben sich für die Energiewirtschaft

In Ballungsgebieten ermöglicht die leitungsgebundene Wärmeversorgung – auch die dezentrale – erhebliche Effizienzsteigerungen und damit eine maximale Klimawirkung. Als Energiedienstleister bieten wir unserer Kundschaft nachhaltige, ortsnahe Wärmelösungen und treffen damit auf große Nachfrage. Viele Projektentwickler fragen bewusst umweltschonende Energiekonzepte für ihre Gebäude und Quartiere an. Auch, weil das Bewusstsein für solche Energielösungen gestiegen ist und diese damit einen Wettbewerbsvorteil bedeuten. Indem wir bei unseren integrierten Energielösungen vorhandene klimaneutrale Abwärmepotentiale aus Industrie, Müllverbrennung und Klärwerken nutzen, steigern wir zusätzlich die Effizienz.

Steffen Apfel

Leiter Deals Energiewirtschaft, Partner PwC Germany

Herr Apfel, Sie gestalten beim BDEW-Kongress den Workshop “Ohne starke Stadtwerke keine Energiewende: Investition und Finanzierung der Energiewende”. Weshalb haben Sie sich für dieses Thema entschieden?

Stadtwerke sind mit ihrer unmittelbaren Kundennähe und ihrer starken Verankerung vor Ort die entscheidenden Akteure für eine erfolgreiche Energiewende. Damit sie dieser Rolle gerecht werden können, müssen sie in den kommenden Jahren sehr viel Geld investieren – und dabei ihre finanzielle Handlungsfähigkeit immer erhalten. Wir sind ein starker und zuverlässiger Partner, der den Stadtwerken auch in Finanzierungsfragen hochmotiviert zur Seite steht.

Werden die Stadtwerke, um ihre finanzielle Handlungsfähigkeit zu erhalten, neue Wege gehen?

Das wird nötig sein. Stadtwerke werden bei künftigen Investitionen – neben klassischen Unternehmensfinanzierungen – auch neue Finanzierungsstrukturen und somit neue Finanzierungsquellen nutzen. Sie müssen trotz aller Herausforderungen liquide sowie finanziell nachhaltig gesund bleiben. Und das ist möglich, trotz der aktuellen Entwicklungen auf den Beschaffungs- und Absatzmärkten.

Stadtwerke werden sich also auch neuen Finanzierungspartnern öffnen?

Dieser Prozess ist im Gange. Damit er gelingt, entwickeln Stadtwerke unter anderem auch neue Governance-Strukturen. Es gibt bereits sehr interessante Beispiele, die zeigen, dass neue Finanzierungspartnerschaften auf kommunaler Ebene erfolgreich umgesetzt werden – und weitere werden folgen. Die klassische Form der Fremdfinanzierung über Banken wird allerdings weiterhin eine wesentliche Säule der Finanzierung für Stadtwerke bleiben.

Guido Wendt

Head of Energy & Utilities, Capgemini Invent Germany

Warum haben Sie sich für eine Partnerschaft zum Thema Energy Transition: Herausforderungen in den Liefer- und Wertschöpfungsketten entschieden?

Die neue globalpolitische Situation zeigt auf, dass die Wertschöpfung des Energiesektors am Industriestandort Deutschland bzw. in ganz Europa dringend gestärkt werden muss. Unternehmen haben den Stellenwert von Resilienz und Unabhängigkeit in der Energieversorgung erkannt und entwickeln sich verstärkt vom Konsumer zum Prosumer. Um diesen Wandel zu ermöglichen, ist eine Transformation von fossilen Energieträgern hin zu einem nachhaltigen, unabhängigen und effizienten Einsatz von erneuerbaren Energien notwendig.


Was sind die größten regulatorischen, technischen, politischen Herausforderungen? 

Die aktuell größte Herausforderung der Energy Transition ist die Diskrepanz zwischen der nötigen und möglichen Umsetzungsgeschwindigkeit und der Verfügbarkeit der Umsetzung. Ein geeigneter Regulierungsrahmen, der z. B. Investitionen in erneuerbare Energien fördert und die Energieversorgung sicherstellt, bildet den Grundstein einer erfolgreichen, deutschen Energy Transition. Ein unzureichender Regulierungsrahmen kann zu Unsicherheit und Investitionszurückhaltung bei Energieversorgern und Unternehmen führen. Darüber hinaus ist eine der größten technischen Herausforderungen der Aus- und Umbau des Stromnetzes, insb. die Erhöhung der Übertragungskapazitäten und die Flexibilisierung durch Speichersysteme und Smart-Grid-Tech.


Welche Geschäftsmodelle ergeben sich für die Energiewirtschaft? 

Die Energiewende stärkt den Fokus auf innovative Technologien, Digitalisierung und Ingenieursleistungen. Hier sind Ende-zu-Ende Lösungen gefragt, die in allen Sektoren auf unternehmensweite Transformationen zielen. Eines der potenziellen Geschäftsmodelle steckt in der zunehmenden Entwicklung von Prosumern in der Industrie. Industrieunternehmen können Flexibilitäten in Eigenerzeugung und -verbrauch erzeugen und diese an Netzbetreiber verkaufen. Dadurch ergibt sich zum einen ein Geschäftsmodell für die Industrie und gleichzeitig leistet die Industrie so einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung des Stromnetzes.

Dr. Thomas Werner

Geschäftsführer und Market Area Manager Deutschland, Österreich und Schweiz, DNV

Warum haben Sie sich für eine Partnerschaft zum Thema Versorgungssicherheit im klimaneutralen Energiesystem – Zusammenspiel von Erneuerbaren Energien, gesicherter Leistung und Flexibilität entschieden?

Zur Bewältigung der gewaltigen Herausforderungen, vor denen die deutsche Energiewirtschaft steht, ist eine Zusammenarbeit aller Sektoren von enormer Bedeutung. Wir setzen uns aktiv dafür ein, durch branchenübergreifende Interaktion und Initiativen die Verknüpfung zu einem funktionierenden Energiesystem zu fördern und damit gemeinsam eine tiefgreifende Dekarbonisierung des deutschen Energiesektors herbeizuführen. Mit der Themenpartnerschaft hoffen wir, eine diese Diskussion weiter voranzubringen.  


Was sind die größten regulatorischen, technischen, politischen Herausforderungen?

Eine Diversifizierung von Technologien und Energieträgern ist unumgänglich, um das Ziel eines sicheren, klimaneutralen Energiesystems zu realisieren. Technologien und alternative Energieträger sind prinzipiell vorhanden, müssen aber zügig weiter ausgebaut und vor allem in das Energiesystem integriert werden, um eine schnelle und resiliente Transformation voranzutreiben. Hier ist die Politik aufgefordert, den erforderlichen politischen und regulatorischen Rahmen sicherzustellen.


Welche Rolle spielt die Plattform für das Klimaneutrale Stromsystem? Oder Was sind die wichtigsten Schritte zur Erreichung eines klimaneutralen Energiesystems?

Aktuell sehen wir in der deutschen Energiewirtschaft viele einzelne Akteure, in den Bereichen Erzeugung, Transport, Verteilung, Speicher, Wärme und Verkehr. Ein funktionierendes Energiesystem können wir jedoch nur durch Verknüpfung dieser Sparten und ganzheitliche Betrachtung der Herausforderungen schaffen – durch Dialog und Digitalisierung. Die Umsetzung dieser Schritte ist eine essenzielle Voraussetzung auf dem gemeinsamen Weg zu einem klimaneutralen Energiesystem.

Andreas Schwenzer

Partner, Advyce & Perlitz

Warum haben Sie sich für eine Partnerschaft zum Thema „Gashandel im Wandel“ entschieden?

Die Energiepreiskriese in Folge des Ukrainekriegs hat massive wirtschaftliche Auswirkungen. Darüber hinaus schreitet die Dekarbonisierung und mit ihr auch die Bedeutung von grünen Gasen voran. Das Spannungsfeld des Umgangs mit kurz- bis mittelfristigen Extrempreisen und -volatilitäten im Gasbereich auf der einen und der langfristigen Transformation auf der anderen Seite beschäftigt unsere Kunden und uns in vielen Projekten und ist für uns eines der Top-Themen der Energieversorgung.


Was sind die größten betriebswirtschaftlichen und technischen Innovationen in diesem Bereich?

Die Entwicklungen rund um Wasserstoff und andere grüne Gase stellen sicher für den Gashandel aus heutiger Sicht die wichtigste Innovation dar, auch wenn viele Fragen noch unbeantwortet und technische Herausforderungen teilweise noch nicht gelöst sind. Wirtschaftlich stehen wir mitten in einer der größten Umbruchsphasen des europäischen Gasmarktes, in der sich unterschiedliche Unternehmen  neu positionieren.


Was sind die größten politischen und regulatorischen Herausforderungen?

Das Thema Versorgungssicherheit bleibt die Kernherausforderung. Kurzfristig die Versorgungssicherheit mit Erdgas und die Kompensation fehlender Gasmengen aus Russland. Langfristig der Aufbau einer Infrastruktur und eines funktionierenden Marktsystems für grüne Gas. Hier ist politische Starthilfe erforderlich.

Margarethe Kleczar

Vice President Carbon Management & Hydrogen, Wintershall Dea

Warum haben Sie sich für eine Partnerschaft zum Thema CCS/CCU: Schlüsseltechnologien für einen klimaneutralen Industriestandort entschieden?

Wir sind davon überzeugt, dass sich die europäischen Klimaschutzziele nur mittels unterirdischer CO2-Speicherung erreichen lassen. Wintershall Dea will darum energieintensive Industrien wie die Kalk- oder Zementindustrie bei der Dekarbonisierung unterstützen, indem ihre unvermeidbaren Emissionen sicher unter dem Meeresgrund gelagert werden. Wird in Industrieprozessen klimaneutrale Bioenergie eingesetzt, können durch die Verknüpfung mit CCS sogar Negativemissionen erreicht werden. Wir sind an verschiedenen CCS-Projekten in Norwegen und Dänemark beteiligt. Beispielsweise haben wir mit dem Projekt Greensand im März diesen Jahres erstmals CO2 in Dänemark eingespeichert – aus einem belgischen Industriebetrieb – und so das Gelingen einer grenzübergreifenden CCS Wertschöpfungskette demonstriert.


Was sind für Sie die größten regulatorischen Herausforderungen?

CCS ist derzeit in Deutschland nicht erlaubt, weshalb wir Projekte in Dänemarkund Norwegen vorantreiben. Das beeinflusst auch maßgeblich unsere künftige Wasserstoffproduktion in Deutschland: Der Hochlauf von entscheidenden Wasserstoffmengen aus bereits vorhandenen Erdgasquellen ist auf CCS angewiesen, um klimafreundlich zu sein. Von der Umsetzung eines neuen CCS-Rechtsrahmens in Deutschland und dem Abschluss bilateraler Abkommen mit anderen Ländern zur CO2-Ausfuhr wird es abhängen, wie schnell die unvermeidbaren CO2-Emissionen sicher unter dem Meeresboden gespeichert werden können.


Welche Geschäftsmodelle ergeben sich für die Energiewirtschaft?

Carbon Management ist ein zentrales neues Geschäftsmodell für uns. Dabei geht es um Transportlösungen und Technologien, die den Ausstoß von CO2 in die Atmosphäre verhindern. Bei Wintershall Dea bauen wir dafür die Abteilung Carbon Management und Hydrogen aus. Wir bewerben uns in Nordwest-Europa um CCS Lizenzen und wollen CCS-Projekte und die Produktion von Wasserstoff aus Erdgas vorantreiben. Kurz gesagt: Wir wollen uns von einem Gas und Öl-Konzern zu einem Gas und Carbon Management Unternehmen entwickeln, welches ihren Kunden, und damit der Gesellschaft, Lösungen für die bei der Verbrennung von Kohlenwasserstoffen entstehenden Emissionen anbietet.

Steffen Heyde

Leiter Marktsegmente KRITIS & Digitale-Infrastruktur, secunet Security Networks

Warum haben Sie sich für eine Partnerschaft zum Thema „Schutz Kritischer Infrastrukturen“ entschieden?

Nicht zuletzt in Krisenzeiten wie momentan zeigt sich die Bedeutung kritischer Infrastrukturen (KRITIS). Ausfälle betreffender Einrichtungen können schwerwiegende Folgen für die Gesellschaft haben. Dementsprechend hoch sind die Anforderungen an die IT-Sicherheit. Mit unserer langjährigen Erfahrung als Deutschlands führendes Cybersecurity-Unternehmen und IT-Sicherheitspartner der Bundesrepublik Deutschland können wir Unternehmen dabei unterstützen, die zunehmend komplexeren Herausforderungen zu bewältigen. 


Was sind die größten technischen Innovationen in diesem Bereich? 

Vertrauenswürdige Cloud- und Edge-Plattformen im Industrial Internet of Things (IIoT). Diese modernen Technologien können dazu beitragen, auch im KRITIS-Umfeld, die Skalierbarkeit und Flexibilität von Systemen zu verbessern, die Datenverarbeitung zu vereinfachen und Kosten zu senken. Zudem lassen sich mit Edge-Computing-Plattformen Systeme und auch ältere Anlagen sicher miteinander vernetzen. Fernwartung und Cybersecurity schließen sich somit nicht mehr aus.


Was sind die größten regulatorischen, technischen, politischen Herausforderungen?

Eine der größten Herausforderungen ist für 59 Prozent der KRITIS-Unternehmen der Mangel an IT-Fachpersonal – das zeigt unsere aktuelle Studie mit techconsult „Angriffserkennung in Unternehmen Kritischer Infrastrukturen“. Technologisch ist es für 44 Prozent die Schwachstellenanalyse im Netzwerk, die jedoch essenziell für die Abwehr von Cyberangriffen ist. Politisch-regulatorisch sind es vor allem die Umsetzung des IT-Sicherheitsgesetzes 2.0, der NIS-2 Richtlinie, dem EU Cyber Resilience Act (CRA) sowie der CER-Richtlinie.

Ulrich Hempen

Vice President BU Solutions, WAGO

Warum haben Sie sich für eine Partnerschaft zum Thema Systemstabilisierung durch den Einsatz von Speichern entschieden?

WAGO steht für Komponenten und Lösungen zur Überwachung und Regelung des Niederspannungs- und Mittelspannungsnetzes. Uns ist bewusst, dass wir die komplexen Themen der Energienetzstabilisierung nicht alleine schaffen werden. Speichertechnologien sind dafür eines der wesentlichen Komponenten wo wir daher mit kompetenten Unternehmen kooperieren und diese dann aber als ganzheitliche Lösungen unseren Kunden anbieten.


Was sind die größten technischen und betriebswirtschaftlichen Innovationen in diesem Bereich?

Relevante Innovationsfelder sind bei elektrochemischen Speichertechnologien die schrittweise Reduzierung der Nutzung seltener Erden, die Optimierung der Wirkungsgrade bei der Elektrolysewandlung, die Entwicklung alternativer Speichertechnologien unter Nutzung von z.B. kinetischer Energie und neue Technologien für Schnellspeicher < 1 s zur Kompensation von Frequenz- und Spannungseinbrüchen


Wie verändern sich die Geschäftsbeziehungen? 

Sie ändern sich im positiven Sinne. Wir haben einen rasanten Anstieg der Anfragen und zu realisierenden Projekte, so dass sich unsere Kooperationen in diesem Umfeld zu sehr vertrauensvollen, engen und verlässlichen Geschäftsverbindungen entwickeln.

Norbert Neuhaus

Leiter Vertrieb Energieversorger und Energiedienstleister, Viessmann

Warum haben Sie sich für eine Partnerschaft zum Thema „Kosteneffizienz und Investitionssicherheit im Gebäudesektor“ entschieden?

Die zukünftige Anforderung an Gebäude, sowohl im Neu- und Altbau müssen im Spannungsfeld Bezahlbarkeit und Klimaschutz betrachtet werden. Kosteneffizienz und Investitionssicherheit sind dabei die derzeit am meisten diskutierten Rahmenbedingungen.

Im Bestand ist es eher die Kosteneffizienz (Stichwort Wärmepumpe im Bestand, Bau und Betrieb), im Neubau ist es im Wesentlichen die Investitionssicherheit u.a. die unklaren Förderbedingungen.


Was sind die größten technischen und betriebswirtschaftlichen Innovationen in diesem Bereich?

Insbesondere im Bestand sind standardisierte Lösungen und serielle Sanierung Ansatzpunkte für Kostensenkung. Technisch müssen Wärmepumpenlösungen für Mehrfamilienhäuser skalierbar entwickelt werden. Hier gibt es schon gute Ansätze insbesondere mit sog. Booster Wärmepumpen, die nur bei Bedarf hohe Temperaturen erzeugen können. Im Neubau gibt es bereits fertige Lösungen aus Wärmepumpe, Lüftungsanlage, Warmwasserbereitung, PV und Speicher z.B. mit der Viessmann Invisible.


Welche Geschäftsmodelle ergeben sich für die Energiewirtschaft?

Die Stadtwerke und Energieversorger gehen derzeit stark den Weg, als Full-Service Dienstleister aufzutreten. Dabei spielen die Endkundenansprache und Beratung eine wesentliche Rolle. Das Ergebnis sind Mietmodelle für Wärmepumpen ergänzt um intelligente Stromtarife und Energiemanagement. Die Wertschöpfung wird stark erhöht, indem nicht nur Beratung und Miete angeboten werden, sondern verstärkt in den Bezug und die Montage der Anlagen investiert wird und somit als Wettbewerber zum Handwerk auftritt. Sehr oft werden auch Handwerker gekauft. Dieses ist ein Ergebnis aus den Erfahrungen von PV- Modellen, die jetzt auf die Wärmepumpe übertragen werden sollen.

Michael Semrau

Managing Director CTO, E.ON Grid Solutions

Warum haben Sie sich für eine Partnerschaft zum Thema „Digitalisierung“ entschieden? 

Digitalisierung ist eine Mammutaufgabe, die kein Unternehmen mehr alleine angehen kann. Zuviel ändert sich in immer kürzerer Zeit. Daher sind professionelle Partnerschaften unerlässlich. Über einzelne Partnerschaften hinaus, geht es eher um die Bildung offener Ökosysteme mit vielen Partnern. Für solche Partnerschaften sind wir ebenfalls offen.


Was sind die größten betriebswirtschaftlichen Innovationen in diesem Bereich? 

Für den Anfang braucht es gar keine Raketenwissenschaft, auch wenn viele gerne von KI und ähnlichen Themen reden. Natürlich nutzen wir auch KI, aber der Kern jeder Verbesserung ist Einfachheit! Wir haben uns deshalb auf die Fahne geschrieben, jeden Prozess so standardisiert wie möglich und so einfach wie möglich abzubilden. Gerade Letzteres ist in unserer Branche eine Herausforderung. Wenn dann noch eine gute Automatisierung der Prozesse dazu kommt, dann ist man schon ziemlich nah an einem guten Ergebnis.


Welche Geschäftsmodelle ergeben sich für die Energiewirtschaft?

Wir können konsequent die Chancen der Skalierung nutzen. Hier ergeben sich Synergien in der Häuser-übergreifenden Zusammenarbeit.

Prof.-Dr. Ing. Jochen Kreusel

Global Head of Market Innovation, Hitachi Energy

Warum haben Sie sich für eine Partnerschaft zum Thema Systemstabilisierung durch den Einsatz von Speichern entschieden?

Erneuerbare Energien sind der zentrale Baustein für das Gelingen der Energiewende. Dezentralität und Volatilität sind Hauptcharakteristika dieser neuen Energiequellen. Speicher, auf allen Ebenen und für möglichst viele Zeitbereiche, sind ein offensichtlicher und wichtiger Baustein für den Umgang mit der Volatilität und zur Stabilisierung der Netze. Entscheidend ist es aber aus meiner Sicht, dass wir in der Branche einen stärker differenzierten Dialog über die Einsatzbereiche von Speichern führen.


Was sind die größten regulatorischen und politischen Herausforderungen?

Ein wichtiges Hemmnis für den Geschäftserfolg von Speichern war bisher die fehlende Anerkennung als eigenständige energiewirtschaftliche Einheit, d.h. dass Speicherbetreiber die Netznutzung bei jedem Lade- und Entladevorgang bezahlen mussten. Zum 1.7.2023 tritt nun endlich die neue Definition für Energiespeicherung in Deutschland in Kraft, in der Energiespeicher die endgültige Nutzung von Energie auf einen späteren Zeitpunkt verschieben, einschließlich der Umwandlung in andere Energieträger.


Welche Geschäftsmodelle ergeben sich für die Energiewirtschaft?

Zunächst einmal natürlich das Offensichtliche: Verschiebung von Energie aus Zeiten hohen Angebots und niedriger Preise in Zeiten knappen Angebots und hoher Preise. Hier spielt das vorher erwähnte Thema der Mehrfachbelastung mit Netznutzungsgebühren eine zentrale Rolle, weil das Geschäftsmodell auf Energiemengen basiert. Ein weiteres mögliches Anwendungsfeld ist die Bereitstellung von Systemdienstleistungen, um z.B. um einen Ersatz für systemstabilisierenden rotierenden Massen bereitzustellen.

Georg Friedrichs

Vorstandsvorsitzender, GASAG

Warum haben Sie sich für eine Partnerschaft beim BDEW-Kongress mit dem Motto "Wir sichern Energie" entschieden?

Im Herbst 2021 wurde noch einmal überdeutlich, was es heißt, für eine sichere Versorgung zu sorgen. Die Energiebranche hat diese gewährleistet. Mit viel Verantwortungsbewusstsein und etwas Versorgerstolz haben wir die Energiekrise gemeinsam bewältigt. Und darüber nicht vergessen, dass wir diese Aufgabe in der Zukunft anders, nämlich klimaneutral erledigen müssen. Energie sichern bleibt also spannend.


Was sind für die GASAG die größten Herausforderungen auf dem Weg zu einer Klimaneutralen Energieversorgung?

Schnelligkeit ist die größte Herausforderung. Denn der Zeitpunkt jeder eingesparten Tonne CO2 ist fast genauso wichtig, wie die Reduktion an sich. GASAG steht bereit für effiziente, klimaneutrale Lösungen und setzt mit vorhandener Technologie heute schon 100 Prozent CO2-freie Energiekonzepte um. Wir arbeiten aber in einem stark regulierten Umfeld und der bestehende, ordnungspolitische Rahmen behindert noch zu oft Innovation. Um mit allen verfügbaren Ressourcen schnell in die Umsetzung zu kommen, müssen die Beteiligten bereit sein, Entscheidungen mit erforderlichem Pragmatismus und der Akzeptanz für jeden sinnvollen Beitrag zu treffen.


Was sind die wichtigsten Themen im Bereich Kundenbeziehungen?

Verlässlichkeit, Redlichkeit und Transparenz müssen die Basis in der Kundenbeziehung sein. Das hilft gerade in herausfordernden Zeiten. Und nur mit Vertrauen in uns und die Branche insgesamt stemmen wir auch die vor uns stehende Transformation. In der GASAG-Gruppe arbeiten alle unserer 1.600 Kolleginnen und Kollegen täglich daran, dieses Vertrauen zu stärken. Das spüren unsere Kunden - und zudem macht es einfach Spaß mit motivierten Menschen an der Energiewende zu arbeiten.

Frank Westphal

CEO, Omexom Deutschland und Geschäftsführer, VINCI Energies Deutschland

Warum haben Sie Sich für eine Partnerschaft zum Thema „Fachkräfte sichern für eine klimaneutrale Zukunft“ entschieden? 

Die Energiewende und der Übergang zu einer klimaneutralen Zukunft sind von entscheidender Bedeutung, um die globalen Herausforderungen des Klimawandels anzugehen. Wir sind uns bewusst, dass dies nicht nur eine technologische, sondern auch eine menschliche Herausforderung darstellt. Es ist uns daher ein besonderes Anliegen, den Menschen in den Mittelpunkt unserer Aktivitäten zu stellen. 


Was sind die größten Herausforderungen in diesem Bereich? 

Die Branche steht vor großen Veränderungen, und um erfolgreich zu sein, brauchen wir qualifizierte Fachkräfte, die die notwendigen Fähigkeiten mitbringen. Indem wir uns aktiv an der Sicherung der Fachkräfte beteiligen, möchten wir dazu beitragen, die Branche attraktiver zu machen und qualifizierte Talente anzuziehen.


Welche Lösungen sehen Sie für die Zukunft? 

Um die Attraktivität unserer Branche zu erhöhen, müssen wir für die Mitarbeitenden interessante Karrieremöglichkeiten und neue Wachstumsperspektiven schaffen. Dazu gehören unter anderem flexible Arbeitsmodelle, die Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf zu ermöglichen, sowie eine offene und innovative Unternehmenskultur. Diese sollte stark geprägt sein von einem wertschätzenden Umgang miteinander. Außerdem ist es wichtig eine vielfältige und inklusive Belegschaft aufzubauen, indem wir den Frauenanteil in den Unternehmen erhöhen und Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen einbinden.

Gundolf Schweppe

Vorsitzender der Geschäftsführung, Uniper Energy Sales

Warum haben Sie sich für eine Partnerschaft zum Thema „Die Rolle von klimaneutralen Gasen in resilienten Energiesysteme“ entschieden?

Für uns als Uniper spielt die Energieunabhängigkeit eine wichtige Rolle. Ein elementarer Baustein dafür ist es beispielsweise Wilhelmshaven zur Energie-Drehscheibe zu machen. Aktuell dient diese vornehmlich dem Import von LNG, aber die Infrastruktur wird so gebaut, dass sie auch für grünen Wasserstoff und andere klimaneutrale Moleküle genutzt werden kann. Unser übergeordnetes Ziel als Uniper ist also die Diversifikation und eine nachhaltige Energiezukunft vorantreiben. Dazu tragen klimaneutrale Gase in doppelter Hinsicht bei.


In welchen Bereichen liegen die größten Chancen für die Energiewirtschaft?

Große Chancen ergeben sich unter anderem mit der Eröffnung und dem Netzanschluss des ersten deutschen schwimmenden Terminals zum Import von verflüssigtem Erdgas (LNG) und der damit vorbereiteten Infrastruktur für grüne Gase. Dabei ist die Zusammenarbeit von Partnern in Sachen neuer Energie von großer Bedeutung, da Import, Produktion, Speicherung und Lieferung ineinandergreifen müssen, damit unsere Produkte dann auch zu den Stadtwerken und zur Industrie gelangen können.


Welche Geschäftsmodelle ergeben sich für die Industrie und Energiewirtschaft?

Wir als Uniper verstehen uns als Treiber einer versorgungssicheren Dekarbonisierung, entsprechend bieten wir unseren Kunden nachhaltige und flexible Versorgungskonzepte. Hierzu gehört die zuverlässige Beschaffung von grünen Produkten, wie PPAs, Herkunftsnachweisen oder Biomethan, genau wie von Brückenträgern wie Wasserstoffe. Darüber hinaus bieten wir unseren Kunden eine Dekarbonisierungsberatung entlang der gesamten Wertschöpfungskette an.