5. - 6. Juni / STATION-Berlin

Partnerinterviews

Interviews 2024

Lesen Sie hier, was unsere Partner im Vorhinein des BDEW Kongress 2024 bewegt.

Matthias Trunk

Vorstand Operations, GASAG

Warum haben Sie sich für eine Partnerschaft zum Thema "Prosuming – Herausforderung und Chancen für EVU" entschieden?

Die klassische Rollenverteilung zwischen Konsumenten und Produzenten löst sich auf. Die Photovoltaik sowie der Einbau von Stromspeichern boomen, Wärmepumpen werden zunehmend eingebaut und generell nimmt das Streben nach Autarkie bei den Kunden weiter zu. Jede Immobilie wird damit perspektivisch sowohl zum Produzenten als auch zum Konsumenten von Energie. Energiewirtschaftliche Möglichkeiten für die Kunden gewinnen deshalb verstärkt an Bedeutung. Die Energieversorger verfügen über eine hohe Reputation und gute Kundenzugänge. Das ist eine Chance, um Plattform-Angebote für den integrierten Betrieb der Hausinfrastrukturen zu machen. Aber diese Chance muss auch aktiv gestaltet werden, weil es jenseits der klassischen Energieversorger viele andere Anbieter geben wird, die mit unseren Kunden wachsen wollen.


Welche Herausforderungen sehen Sie im Bereich Prosuming?

Es entstehen für uns als EVUs viele Potenziale für eine zukunftsträchtige Wertschöpfung. Die Kunden von Wohn- und Gewerbeimmobilien werden erwarten, dass sie neben dem Energieeinkauf auch Unterstützung beim Management ihres Energieportfolios und ihrer spezifischen Strategien bekommen. Dazu müssen die unterschiedlichen Geräte vernetzt, auf individuelle Nutzungsprofile ausgerichtet und im Hinblick auf Kosten und Emissionen optimiert werden. Das ist eine gänzlich neue Anforderung. Mit den neu entstehenden Kundenbedürfnissen verlieren Commodity-Leistungen zunehmend an Bedeutung. Gleichzeitig sind die Voraussetzungen für neue Geschäftsmodelle gegeben. Ihr Aufbau ist allerdings eine enorm anspruchsvolle Aufgabe.


Wie begegnet die GASAG diesen Herausforderungen?

EVUs müssen miteinander kooperieren. Wir arbeiten bei diesem Thema am Aufbau einer Arbeitsgemeinschaft, zu der viele große, mittelgroße und kleinere Versorger zählen. Wir wollen eine skalierbare Lösung entwickeln, an der jedes regional ausgerichtete EVU teilhaben kann – mit einer Investition, die die jeweilige Größe und die finanziellen Möglichkeiten berücksichtigt. Unser Ansatz ist, unterschiedliche bereits existierende Lösungsbausteine und Kompetenzen zu kombinieren, zu integrieren und fehlende Puzzleteile zu ergänzen. Parallel entwickeln wir ein Geschäftsmodell, um die Größeneffekte einer gemeinsamen Plattform zu nutzen und die Wertschöpfung der Prosumer-Optimierung im Wesentlichen bei den beteiligten Versorgern zu lassen.

Uwe Vogt

Vorstand, AUCOTEC

Warum haben Sie sich für eine Partnerschaft zum Thema „Next Level: Digitaler Zwilling für effiziente Energienetze!“ entschieden?

Das Thema klingt zunächst sehr trocken und theoretisch, adressiert aber eine der drängendsten Fragen in der Energiewirtschaft: Wie kann der dringend erforderliche Ausbau der Infrastruktur (Transport- und Verteilnetze, Wasserstoff, usw.) gelingen, während wir gleichzeitig unter anderem mit einem erheblichen Fachkräftemangel zu kämpfen haben. Ohne diese sehr umfangreichen Anlagenbauprojekte kann die Energiewende nicht gelingen.

Es ist mir ein persönliches Anliegen, dem beim BDEW-Kongress anwesenden Management der Energiewirtschaft die entsprechende Bedeutung von Modularisierung auf Basis von Digitalisierung und das zukünftige enorme Potenzial von künstlicher Intelligenz auf Basis von strukturierten Daten darzulegen.


Wie kann die Energiebranche mit der steigenden Datenflut umgehen?

„Datenflut“ klingt eher negativ und nach einer besonderen Herausforderung. Nach meiner Überzeugung müssen wir dies anders betrachten. Die Daten unserer Anlagen sind von großer Bedeutung und bilden die Grundlage für wichtige Innovationen und Optimierungen im Betrieb der heutigen und bei der Konzeption und dem Bau von zukünftigen Anlagen. Dazu müssen die Daten idealerweise strukturiert und intelligent verknüpft vorliegen. Um dies zu erreichen, müssen über alle Lebensphasen einer Anlage, von der Konzeption bis zum Abbau, die Daten in entsprechend übergreifenden Systemen erfasst und aktuell gehalten werden. Man spricht dann vom „digitalen Zwilling“. Dieser „digitale Zwilling“ ist, wie oben beschrieben, ein „Enabler“ für einen drastisch beschleunigten und effizienteren Bau und Betrieb der Anlagen.


Welche Chancen bietet die Automatisierung für die Flexibilität des Gesamtsystems?

Die Automatisierung ist ein wichtiger Treiber für die Flexibilität des Gesamtsystems. Dabei sehen wir Automatisierung heute auf einem höheren Level als in der Vergangenheit. Heute sind bereits einzelne Komponenten beziehungsweise Geräte in sich digital und intelligent und lassen sich sehr flexibel konfigurieren. Man spricht in diesem Zusammenhang auch vom „digitalen Umspannwerk“.  Anlagen, die auf diesen Technologien beruhen, sind sehr viel flexibler einsetzbar als bisherige Anlagen, bei denen für eine Erweiterung oder Veränderung der Funktionalität oft ein Umbau notwendig ist.

Zusammengefasst lässt sich feststellen, dass viele Technologien verfügbar sind. Die Herausforderung besteht nach meiner Erfahrung darin, durch visionäre Managemententscheidungen die Strukturen und Prozesse in den Unternehmen so anzupassen, dass diese Technologien genutzt werden können und somit das „Next Level“ in Sachen Effizienz zu erreichen.

Simon Fahrenholz

Partner, Head of Sustainability Germany, EY Strategy & Transactions

Derzeit sind viele Unternehmen damit beschäftigt, neue regulatorische (Mindest-)anforderungen zu erfüllen. Warum ist es zu kurz gesprungen, die ESG-Regulatorik auf Reporting und Risikovermeidung zu reduzieren? 

Weil ESG ein echter Werttreiber für Unternehmen sein kann! Das Ziel der Regulatorik ist es, einheitliche Standards zu setzen und Investoren, Kapitalgebern aber auch Kunden, Mitarbeitenden und Geschäftspartnern ein transparentes Bild über die ESG-Performance von Unternehmen zu bieten. Diese Vergleichbarkeit ist eine Chance für diejenigen Unternehmen, die in Sachen Nachhaltigkeit wirklich gut sind. Durch klare Regeln über was, wie berichtet werden muss, können sich diejenigen, die frühzeitig die nachhaltige Transformation angestoßen haben, deutlich besser im Wettbewerb differenzieren als dies bisher der Fall war. Denn bei den zahllosen freiwilligen Berichtsstandards musste der Leser bzw. die Leserin bisher schon sehr tief in der Materie stecken, um den wahren Aussagegehalt ableiten zu können.


Wie lässt sich die Umsetzung der CSRD-Reportingpflichten so gestalten, dass auch wirklich Mehrwert für die Unternehmen entsteht, und worin liegen diese Mehrwerte? 

Um Mehrwert aus den Reportingpflichten zu ziehen, kommt es darauf an, das Thema Nachhaltigkeit richtig im Unternehmen zu verankern. Das beginnt bei der Frage nach der Governance und geht bei der Operationalisierung der gesetzten Nachhaltigkeitsziele weiter. Um es ganz konkret zu machen: Unternehmen brauchen Aktionspläne zur Umsetzung der definierten Ziele und sie müssen diese mithilfe von KPIs nachhalten. Diese Transaprenz hilft ihnen nicht nur bei der Zielerreichung, sondern eröffnet auch Spielräume für neue strategische Diskussionen. Hier löst die CSRD zwangsläufig eine systematische Strukturierung der bereits bestehenden Nachhaltigkeitsaktivitäten aus und die zukünftig entstehende Transparenz verbessert die unternehmensinterne Steuerung deutlich.


Wird der „Reportingdschungel“ im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit weiterhin immer größer?

Betrachtet man nur die reine Anzahl an Vorgaben, lautet die Antwort ja. Die Liste an regulatorischen Abkürzungen, mit denen sich Unternehmen in Deutschland auseinandersetzen müssen, wird immer länger: Auf die Corporate Sustainability Reporting Directive (kurz CSRD) folgen CSDDD, LKSG und DCGK; für Banken gilt die SFDR – um nur einige Beispiele zu nennen. Gleichzeitig sorgt die CSRD jedoch auch für Orientierung in diesem Dschungel. Sie etabliert einen Standard, an dem sich ESG-Ratingagenturen und außereuropäische Standards anlehnen und dem neue europäische Regelungen folgen. Insofern ist die erstmalige Umsetzung der Reportingpflichten für Unternehmen sicher komplex, in Zukunft werden die neuen Standards jedoch für eine deutliche Vereinfachung – und damit auch eine Zeitersparnis – sorgen.

Daniel Breloer

Director Energy, Resources & Industrials, Deloitte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

Warum haben Sie sich für eine Partnerschaft zum Thema „Fachkräfte: Menschen finden – binden - bilden“ entschieden?

Qualifizierte Fachkräfte sind ein zentraler Baustein für eine erfolgreiche Energie- und Wärmewende. In Zukunft geht es nicht nur darum, altersbedingt ausscheidende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu ersetzen, sondern auch darum, zusätzliche Fachkräfte für die Modernisierung, Transformation und Digitalisierung der Energiesysteme zu gewinnen. Gelingt es nicht, diese Fachkräfte rechtzeitig im erforderlichen Umfang zu rekrutieren, müssen neue Lösungen gefunden werden. Das kann zu Transformationsprozessen in den Unternehmen selbst führen. Als Partner der Energiewirtschaft begleiten wir diese herausfordernden Fragestellungen.

Was erwarten junge Arbeitskräfte von ihren Arbeitgebern? 

Wir machen in Recruiting-Prozesse und in Gesprächen mit Kunden die Erfahrung, dass insbesondere die Generation Z und die Millennials ein ausgeprägtes Identitätsbewusstsein haben. Dementsprechend spielen Sinnhaftigkeit, Zukunftsaussichten und Feedbackkultur eine entscheidende Rolle bei der Berufs- und Arbeitgeberwahl. Nicht minder wichtig sind die Erwartungen an die Flexibilität von Arbeitsort und Arbeitszeit sowie die Gestaltung der Arbeit. 

Was bei dieser Diskussion nicht vergessen werden darf: Junge Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wollen in einem Umfeld arbeiten, das eine ausgewogene Generationenstruktur aufweist.

 

Wie können sich Unternehmen auf die künftigen Anforderungen personell vorbereiten?

Ein Ansatzpunkt können flexible Karriere- und Entwicklungswege sein – ganz nach dem im Titel beschriebenen Dreiklang „Menschen finden - binden - bilden“. Neben dem personellen Aspekt spielt auch der organisatorische eine wichtige Rolle. Mit Blick auf den Fachkräftemangel gilt es zukünftig noch mehr denn je, Arbeitskräfte möglichst effizient einzusetzen. Weitere Möglichkeiten für Unternehmen, ihre Prozesse zu optimieren, können durch Automatisierung, den Einsatz von KI oder Kooperationsmodelle entstehen.

Thilo Gorski

Principal, A.T. Kearney

Warum sind Sie auch in diesem Jahr wieder Partner der Nachwuchsinitiative auf dem BDEW Kongress?

Als langjähriger Partner der Nachwuchsinitiative auf dem BDEW Kongress setzen wir auch in diesem Jahr wieder auf diese wichtige Zusammenarbeit. Die Initiative bietet eine tolle Gelegenheit, junge Talente gezielt zu fördern und für die vielfältigen Herausforderungen in der Energiewirtschaft zu begeistern. Unser Engagement zeigt unser langfristiges Bekenntnis zur Entwicklung der nächsten Generation von Fachkräften in der Branche.


Was sind die größten Herausforderungen für Suchende auf beiden Seiten?

Eine große Herausforderung besteht darin, dass viele Suchende möglicherweise nicht alle vielfältigen Karrieremöglichkeiten in der Energiewirtschaft erkennen, die über traditionelle Tätigkeitsbereiche wie Ingenieurwesen hinausgehen. Unternehmen könnten ihre Bemühungen verstärken, um aufzuzeigen, wie auch Positionen in Bereichen wie Projektmanagement, Unternehmensentwicklung, Kundenbetreuung oder öffentliche Beziehungen einen bedeutenden Beitrag zur gesellschaftlichen Verantwortung von Energieunternehmen leisten. Diese Positionen spielen eine entscheidende Rolle bei der Umsetzung der Energiewende, der Wärmewende und der Dekarbonisierung unserer Gesellschaft, indem sie innovative Lösungen entwickeln, erneuerbare Energien fördern und nachhaltige Praktiken in der gesamten Branche vorantreiben. Durch eine breitere Palette von Karrieremöglichkeiten könnten mehr Nachwuchskräfte dazu ermutigt werden, ihre Fähigkeiten und Interessen in der Energiewirtschaft einzubringen, und gleichzeitig könnten Energieunternehmen von einer vielfältigeren Arbeitskraft profitieren.


Gibt es aus Ihrer Sicht "einfache" Antworten, um Nachwuchs zu finden?

Aus unserer Sicht gibt es keine "einfachen" Antworten, um Nachwuchs zu finden, da die Herausforderungen vielschichtig sind und verschiedene Ansätze erfordern. Es bedarf einer ganzheitlichen Strategie, die Bildungsinitiativen, gezielte Ausbildungsprogramme, Praktika, Mentoring und eine attraktive Arbeitsumgebung umfasst. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Bildungseinrichtungen und Behörden ist entscheidend, um die Bedürfnisse beider Seiten zu verstehen und effektive Lösungen zu entwickeln.

Jens Vollprecht

Dipl.-Forstwirt (Univ.), Rechtsanwalt, Partner, bbh Becker Büttner Held

Warum haben Sie sich für eine Partnerschaft zum Thema „Doppelte Ernte: Mehr Fläche für Erneuerbare“ entschieden?

Der Klimawandel schreitet stetig voran, maßgeblich verursacht durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe und die Abholzung von Wäldern zur Flächengewinnung. Ein Baustein, um diese Entwicklung zu verlangsamen, ist der Ausbau der erneuerbaren Energien. Dabei spielen Freiflächensolaranlagen eine wichtige Rolle, die allerdings Flächen brauchen – und die sind knapp. Als Rechtsanwalt arbeite ich seit vielen Jahren im „Maschinenraum“ der Energiewende. Vor knapp 10 Jahren stieß ich auf das Thema Agri-PV, das damals noch ein Nischenthema war. Die Idee hat mich sofort überzeugt und auch mein Herz als Naturwissenschaftler höher schlagen lassen: Durch die Doppelnutzung können Nutzungskonflikte zwischen Energiewende und Agrarproduktion vielleicht nicht ganz aufgelöst, aber doch deutlich entschärft werden. Das ist für die Akzeptanz ein wichtiger Punkt. Zudem steigt die Flächeneffizienz, indem Photosynthese und Photovoltaik miteinander kombiniert werden. 


Welche verschiedenen Möglichkeiten bietet Agri-PV?

Den ersten Nutzen habe ich bereits oben dargestellt: Agri-PV steht für die Nutzung einer Fläche für die Agrar- und Energieproduktion. Allein der Blick auf die Doppelnutzung wird der Agri-PV allerdings nicht gerecht. Für Landwirte bietet Agri-PV die Möglichkeit, sich wirtschaftlich durch die Energieerzeugung breiter aufzustellen. Ein zweites Standbein auf derselben Fläche sozusagen. Agri-PV kann die Landwirtschaft zudem fit für den Klimawandel machen: Die Kulturen werden vor Extremwetter wie Starkregen, Hagel oder Sonnenbrand geschützt, die Verdunstung reduziert oder die Bodenerosion vermindert. Auch bei der Tierhaltung können sich Vorteile ergeben. Zwar hängt der Erfolg von Agri-PV von deren Planung ab, aber das Potenzial ist groß. Je nach Design verändern Agri-PV-Anlagen zudem das Landschaftsbild - verglichen mit „klassischen“ Freiflächenanlagen - weniger, da sie nicht „eng an eng“ errichtet werden. Auch dies kann die Akzeptanz solcher Anlagen erhöhen.


Wie lassen sich Erzeugung und Speicherung bei PV-Anlagen verbinden?

Da die Stromerzeugung bei Agri-PV-Anlage volatil ist, ist die Verbindung mit einem Speicher sinnvoll. Scheint die Sonne und wird der Strom nicht benötigt, kann er so lange „geparkt“ werden, bis die Nachfrage - und damit auch die Marktpreise - wieder höher sind. Eine solche Anlagenkombination kann zum Beispiel über die Innovationsausschreibungen gefördert werden. Unter bestimmten Voraussetzungen kann für den ausgespeicherten Strom auch eine finanzielle Förderung nach dem EEG beansprucht werden. Speicher können aber z.B. auch genutzt werden, um Kostenbelastungen zu reduzieren, Regelenergie bereit zu stellen oder Netzengpässe zu beseitigen. Die Alleskönner stoßen allerdings in rechtlicher Hinsicht teilweise an ihre Grenzen und können nicht zeigen, was in ihnen steckt. Daher ist es sehr zu begrüßen, dass das BMWK mit seiner Stromspeicher-Strategie daran etwas ändern möchte.

Torben Schuster

Vice President & Head of Energy Transformation, Capgemini Deutschland

Warum haben Sie sich für eine Partnerschaft zum Thema Künstliche Intelligenz für die Energiewirtschaft nutzen entschieden?

Partnerschaften sind für uns als Capgemini ein wichtiger Bestandteil zur Ergänzung unseres Portfolios. Partner bereichern und erweitern unsere Services in vielerlei Hinsicht. Gerade im Bereich Künstliche Intelligenz, wo sich Technologien rasant weiterentwickeln, ist es essenziell sich mit Partnern abzustimmen, um Forschung und Innovation zu lenken und Parallelaufwände zu vermeiden. Auch können wir, zusammen mit unseren Partnern, schneller und flexibler auf Kundenanfragen reagieren und diese besser und individueller umsetzten. Das Thema Künstliche Intelligenz wird sich in den nächsten Monaten und Jahren noch in unterschiedliche Bereiche entwickeln und die Zusammenarbeit mit unseren Partnern stellt sicher, dass wir hier immer an der Spitze der Entwicklungen in diesem Bereich sind.


Was versteht man „langläufig“ unter KI im Zusammenhang mit der Energiewirtschaft?

Die Energiewirtschaft steht unter großem Druck. Neben der Energiewende, den geopolitischen Verwerfungen und den zunehmenden regulatorischen und gesetzlichen Anforderungen geht auch der Wandel vom Kunden zu Prosumer einher. Zudem hat die Branche mit Fachkräftemangel und Überalterung zu kämpfen. Diese Herausforderungen zu meistern und gleichzeitig das eigene Unternehmen zu transformieren ist eine Mammut-Aufgabe für die Energieunternehmen.

KI kann hier in dreierlei Hinsicht unterstützen:

  1. Zum einen kann KI dabei helfen wiederkehrende Prozesse zu harmonisieren, zu automatisieren und somit Effizienz im Unternehmen schaffen
  2. KI kann ebenfalls die Effektivität von Prozessen deutlich erhöhen. Speziell an der Kundenschnittstelle ist die Entwicklung rasant. Neue Chat und Voice Bots sorgen für ein deutlich verbessertes Kundenerlebnis und somit auch langfristige Kundenbindung.
  3. Mit KI, besonders mit generativer KI lassen sich erstmalig alle Wissensquellen eines Unternehmens (silo-)übergreifend verknüpfen und auswerten. Das wirkt nicht nur Wissenverlust entgegen, sondern ermöglicht auch ganz neue Wege in der Themen- und Mitarbeiterentwicklung.


Was müssen Unternehmen in der Energiewirtschaft beachten, bevor oder während Sie KI einsetzten?

Gerade am Anfang, wenn Unternehmen beginnen sich mit den Vorteilen von KI auseinanderzusetzten, ist es wichtig eine Strategie festzulegen: Was will das Unternehmen mit KI erreichen, welche Anwendungsfälle lohnen sich (am meisten) und wie soll KI implementiert und skaliert werden. Dazu gehört u.a. ein Governance Modell, das alle Beteiligten im Unternehmen an einen Tisch bringt und regelt, wie KI einsetzt werden soll. Daneben ist zu definieren in welchem Bereich die KI-Lösung eingesetzt werden soll und ob hier ausreichend und qualitativ hochwertige Daten zur Verfügung stehen. Es ist auch essenziell nicht nur die interne Sichtweise zu betrachten und Mitbestimmungsgremien einzubeziehen, sondern auch Kundeninteressen und Datenschutzrecht mit zu berücksichtigen. Solche Assessments sind Teil unserer Strategiedefinition und können helfen gerade am Anfang „teure“ Fehler zu vermeiden.

Dr. Philippe Steinbusch

Produktmanagement, PSI GridConnect

Warum haben Sie sich für eine Partnerschaft zum Thema „Next Level: Digitaler Zwilling für effiziente Energienetze!“ entschieden? 

Weil neue Herangehensweisen und Technologien für den Umbau der Energieversorgung und damit der Netzbewirtschaftung unerlässlich sind. Virtuelle Abbildungen und somit digitale Zwillinge sind bereits heute essentielle Bestandteile unseres Kerngeschäfts, insbesondere für die Leitwarte. Dabei waren diese stets im Silo (Leitwarte) für einen ausgewählten Business Case (Netzführung) kontinuierlich im Einsatz. Die Energieversorgung ist in einem Wandel und erlebt eine Vielzahl an Paradigmenwechseln (Energiewende, Sektorenkopplung, …). Mit veränderten Rahmenbedingungen, wie die immer dezentralere und volatilere Erzeugung, können Solo-Lösungen – sprich einzelne Digitale Zwillinge – nicht effizient genutzt werden. Insbesondere für die Niederspannung wird das schwer, da dort eine extreme Anzahl an Assets und Prozesswerte erwartet werden und eine effiziente und wirtschaftliche Netzbewirtschaftung nur im Dreiklang von Netzführung, -service und -planung realisierbar ist. Demzufolge bedarf es für beobachtbare und steuerbare Energienetze die Schaffung von Synergien und den Aufbau eines ganzheitlichen und konsistenten Digitalen Zwillings.


Wie kann die Energiebranche mit der steigenden Datenflut umgehen? 

Ein großer Meilenstein hierzu ist das Stammdatenmanagement und die Schaffung einer skalierbaren Datenplattform in der Anlagen- und Netzdaten als auch Live-Messdaten und historische Messreihen ohne Informationsbruch abgelegt werden. Daraus entstehen Massendaten die somit eine Datendrehscheibe und eine Single Source of Truth für die digitale und effiziente Netzbewirtschaftung bilden. 

Hierdurch entstehen Mehrwerte wie:

  • Reduktion von Projektlaufzeiten und Kosten 
  • Vereinfachte Systemintegration und Simulationsmöglichkeit
  • Reduktion von Fehlern durch validierte Daten
  • Minimierung des Datenpflegeaufwands

Wir empfehlen daher die Erstellung einer Digitalisierungsstrategie als individuelle Roadmap. Dazu gehört die Analyse der strategischen Entwicklung des Netzes genauso wie operative Themen zur Rechenbarkeit der Netze oder die EnWG 14a Ausgestaltung sowie das Zielbild einer sich veränderten Systemlandschaft. PSI hat für die Bewältigung von Digitalisierungsanforderungen eigens ein Beratungsteam aufgebaut, um Netzbetreiber in den noch unklaren Anforderungen zu Architektur, Interoperabilität und den notwendigen Softwarefunktionen zu begleiten.


Welche Chancen bietet die Automatisierung für die Flexibilität des Gesamtsystems?

Die Automatisierung bietet zahlreiche Chancen für die Flexibilität des gesamten Energienetzes. 

Spezifische Chancen sind:

  • Dezentrale Energieerzeugung: Automatisierungstechnologien ermöglichen eine effiziente Integration von Energiequellen wie Solar- und Windenergie in das Netz.
  • Echtzeit-Steuerung: Durch Automatisierung können Energiemanagementsysteme in Echtzeit auf Änderungen im Netz reagieren und den Energiefluss optimieren.
  • Lastmanagement: Automatisierung ermöglicht ein intelligentes Lastmanagement, um die Spitzenlasten zu reduzieren und die Effizienz des Netzes zu erhöhen.
  • Prognose/Wartung: Durch Automatisierung können Netzbetreiber den Zustand der Infrastruktur in Echtzeit überwachen und präventive Wartungsmaßnahmen durchführen, um beispielsweise Engpässe oder Ausfälle zu vermeiden.

Die Niederspannung hat gerade in der Digitalisierung noch etwas Aufholbedarf, wobei wir eine ganzheitliche Automatisierung anstreben müssen. Denn nur auf Basis von digitalen Prozessen und einer digitalen Niederspannungsnetzbewirtschaftung wird die Flexibilität des Energienetzes genutzt und die Zuverlässigkeit der Energieversorgung zukünftig sichergestellt.

Das Gesamtsystem befindet sich in einem Wandel, sodass wir sukzessive auch Flexibilität aus der Niederspannung für die Stabilität des Gesamtsystems benötigen. Durch einen ganzheitlichen Digitalen Zwilling können verschiedene hierarchische Kaskaden initialisiert und bei gleichzeitigen, klaren Verantwortlichkeiten und Bedienbarkeiten realisiert werden. Wir als PSI unterstützen Netzbetreiber mit niedrigen Einstiegshürden in die Digitalisierung zum Netzbetrieb der Zukunft.

Dr. Christof Spangenberg

Geschäftsführer, m3 management consulting

Warum haben Sie sich für eine Partnerschaft zum Thema "Prosuming – Herausforderung und Chancen für EVU" entschieden?

Prosuming markiert eine tiefgreifende Transformation der Energiemärkte und die Abkehr von der klassischen Trennung zwischen Konsumenten und Produzenten. Der Ausbau regenerativer Energien führt in eine dezentrale Energiewelt, in der Haushalte über Photovoltaik, Wärmepumpen, Speichertechnologien oder Elektroautos mit entsprechender Ladeinfrastruktur verfügen. Dadurch treten sie als Prosumer in ein neues Verhältnis zum Energiemarkt. Sie können mit ihren Profilen und Strategien die Netzlast auf vielfältige Art beeinflussen. 

Durch diese Beweglichkeit entstehen sogenannte energiewirtschaftlichen Optionalitäten, die neue Chancen für alle Marktteilnehmer eröffnen. Als m3 wollen wir dazu beitragen, diese Transformation im Sinne der Konsumenten, Energieversorger und einer erfolgreichen Energiewände zu gestalten.


Welche Rolle spielt die Entwicklung hin zu Prosuming für die etablierten Energieversorger?

Einerseits erwarten Prosumer von den Energieversorgern nicht einfach Unterstützung beim Energieeinkauf sondern auch beim aktiven Management ihres Energieportfolios. Dabei entsteht Raum für gänzlich neue Geschäftsmodelle. Diese Möglichkeiten nicht zu nutzen, ist für die etablierten Versorger eigentlich keine Option. Denn wenn neue Spieler mit innovativen Plattform-Angeboten zum integrierten Betrieb der Hausinfrastruktur in den Markt drängen, werden die Kunden wechseln, wodurch die Vertriebsseite verloren geht. Andererseits kann die Nutzung energiewirtschaftlicher Optionalitäten dabei helfen, teure netzzustandsabhängige Eingriffe zu reduzieren. 

Mit diesen Veränderungen ist eine Komplexität verbunden, die gerade kommunale Versorger nicht im Alleingang stemmen können. Erforderlich ist deshalb ein kooperativer Ansatz. Aktuell arbeiten wir mit mehr als 20 EVU an einem entsprechenden Pilotprojekt.


Welche Bereiche sind betroffen von der Strategie bis hin zum Vertrieb?

Es ist einfacher zu sagen, welcher Bereich bei diesem Wandel nicht betroffen ist. Die energiewirtschaftlichen Optionalitäten müssen bepreist und vermarktbar gemacht und die Wertschöpfung rund um Netzentgelte und Services aufgebaut werden. In technischer Hinsicht erfordert effektives Energiemanagement in einem Prosumer-Markt eine Objektabbildung der Gebäude, Zugänge zu intelligenten Messsystemen, oder die Möglichkeit zur Steuerung der Geräte über Hersteller-Schnittstellen. Das alles muss in stabilen, skalierbaren und anwenderfreundlichen Plattformen gebündelt und durch leistungsfähigen Kundenservice unterstützt werden. Die Stadtwerke verfügen über exzellente Kundenzugänge, Vertrauen und starke lokale Präsenz. Wenn sie rechtzeitig gute Lösungen in den Markt bringen, werden sie zu den Gewinnern dieser Transformation zählen.

Dr. Peter Heuell

Geschäftsführer, EMH metering

Warum haben Sie sich für eine Teilnahme als Partner auf dem BDEW Kongress 2024 entschieden?

Die Energiebranche erlebt derzeit einen noch nie dagewesenen Umbruch. Die Aufgaben, die für alle Beteiligten anstehen, sind enorm. Um diese Herausforderungen zu meistern, braucht es die Kompetenz und den Austausch der wichtigsten Player aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Verbänden. Als größter Branchentreff der Energiewirtschaft steckt der BDEW-Kongress alljährlich den Rahmen für diesen Austausch. Einzigartig ist die Zusammenstellung der Teilnehmenden: Hochranginge Politiker, Branchenkenner sowie Entscheider aus der Industrie und vor allem der Praxis kommen jedes Jahr nach Berlin. Uns ist es wichtig, diesen Austausch zu unterstützen. Darum sind wir bereits seit vielen Jahren als Partner des BDEW-Kongress dabei. Und zwar ganz konkret vor Ort: Mit dem EMH-Coffee-Bike versorgen wir die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch in diesem Jahr wieder mit der notwendigen Portion Energie. Damit alle wach sind für die Energieversorgung der Zukunft.


Was sind für Sie auf dem Kongress die wichtigsten Themen?

Es geht jetzt vor allem darum, den Netzanschlusspunkt im Haus optimal für die Energiewende, die Interessen der Verbraucherinnen und Verbraucher und das Netz auszurüsten. Dazu gehören so hochaktuelle Themen wie die intelligente Umsetzung des § 14a, die Versorgung mit PV-Eigenstrom – Stichwort Prosumer – und das Bereitstellen von dynamischen Tarifen – und zwar risikoarm und mit großem Einspareffekt. Der Energieversorger im Spannungsfeld zwischen Wettbewerb, hohen Strompreisen und neuen Tarifen steht für mich dabei ganz oben auf der Agenda. Netz, Verbraucher, Lieferant: Dieses Interessendreieck müssen wir bei der Neugestaltung der Energiesysteme im Blick haben.  


Was macht für Sie ein guter BDEW Kongress aus?

Der BDEW Kongress ist in meinen Augen dann besonders stark, wenn die Teilnehmenden in die Praxis eintauchen, Fragen aufwerfen und gemeinsam im Austausch neue Antworten finden. Für uns als Hersteller von Technologien für den Smart Meter Rollout ist zudem der konkrete Austausch mit Kunden und Partnern aus der Energiebranche vor Ort wichtig.  

Der BDEW-Kongress setzt außerdem wichtige Impulse. "Gemeinsam einfach machen" – so lautet das diesjährige Motto. Und darum geht es: Die konkrete Umsetzung muss jetzt angegangen werden. Das gelingt nur gemeinsam. Ob es wirklich einfach wird, das werden wir sehen. Aber das kennen wir vom Smart Meter Rollout: Wir nähern uns Schritt für Schritt der Umsetzung – auch wenn es manchmal schwierig ist. Entscheidend ist es, das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. 

Dr. Matthias Leuthold

Abteilungsleiter Flexibilisierung & Energieeffizienz, Trianel

Warum haben Sie sich für eine Partnerschaft zum Thema "Vom Hype zum Boom - Stromspeicher zwischen Anspruch und Wirklichkeit" entschieden?

Durch den zuletzt erfreulich starken Ausbau der erneuerbaren Erzeugung und den notwendigen Rückbau der fossilen Stromerzeugung verliert das Energiesystem steuerbare Erzeugung und wird zunehmend volatiler. Die Integration Erneuerbarer, die bisher durch flexible, aber fossile Erzeuger geleistet wurde, muss zunehmend durch CO2-freie Flexibilitäten abgelöst werden, damit Versorgungssicherheit und Systemstabilität klimaneutral gewährleistet werden kann. Bei Trianel beschäftigen wir uns seit mehreren Jahren mit dem Geschäftsfeld Flexibilität. Sowohl im Bereich Wasserstoff als Langfristspeicher, Wärmespeicherung als Mittelfristspeicher, aber zuletzt vor allem in Form von Batteriespeichern als Kurzfristspeicher. Batteriespeicher sind durch ihre relativ günstig verfügbare Leistung und einfache Skalierbarkeit DER Enabler der erneuerbaren Energien. Das Pumpspeicherwerk von heute ist ein Batteriespeicher.


Was sind die größten technischen und betriebswirtschaftlichen Innovationen in diesem Bereich? Welche Geschäftsmodelle ergeben sich?

Wir beobachten seit rund 1,5 Jahren, dass immer größere Batteriespeicherprojekte angekündigt werden, die in der Summe mehrere Gigawatt an Leistung erreichen. Aber auch die Summe der Kleinspeicher nimmt stetig zu. Das ist zu einem Teil auf die starken Strompreisschwankungen der letzten Jahre zurückzuführen. Die Erneuerbare Erzeugung ist so weit gestiegen, dass der Börsenpreis bei hoher Erzeugung substanziell nachgibt. Damit entsteht ein Spread, der Speicher wirtschaftlich werden lässt. Der Zubau von Speichern wird auch immer wichtiger, damit der Wert des erneuerbaren Stroms nicht ins Bodenlose fällt. Strategische Investoren mit einem großen Erzeugungsportfolio sind daher daran interessiert, eine Beimischung von Speicherprojekten ins Portfolio zu nehmen. 

Ein zweiter wesentlicher Innovationstreiber ist nach wie vor die Elektromobilität, die jedes Jahr Milliarden investiert, um Batteriespeicher günstiger und umweltverträglicher zu machen. 

Ein drittes Innovationsfeld ist sicherlich die Entwicklung KI-optimierter Algorithmen, die die Flexibilität der Speicher ideal am Strommarkt vermarkten.


Was sind die größten regulatorischen, technischen, politischen Herausforderungen?

Der Boom von Ankündigungen darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es bislang kein Konzept für die langfristige Absicherung der Projekte gibt. Damit meinen wir nicht, dass es eines Fördermodells bedarf. Es wird die Zusicherung benötigt, dass verlässliche Rahmenbedingungen über die Lebensdauer eines Speichers festgeschrieben werden, damit Planungs- und Investitionssicherheit besteht. Begrüßenswert wäre es, wenn Speicher als Element der Energieversorgung als eigenständige Kategorie gewertet würden und nicht als „Letztverbraucher“ oder „Erzeuger“ kategorisiert würden. Kurzfristig sollten Batteriespeicher dauerhaft von Netzentgelten befreit werden. Wichtig ist es auch, dass die sogenannte „Grünstrom-Eigenschaft“ während der Speicherung erhalten bleibt. Diese verliert der Strom zurzeit noch, wenn der Speicher gemischt genutzt wird. 

Wir begrüßen daher die angekündigte Speicherstrategie der Bundesregierung und erhoffen uns verlässliche Rahmenbedingungen, damit die Branche auch weiterhin in dieses Zukunftsfeld investiert. Ohne diese wichtigen Investitionen in Flexibilitätsoptionen droht die Energiewende zu scheitern.

Dr. Christian Hille

Utilities & Energy Transition Lead Europe, Middle East and Africa for Accenture Industry X

Warum haben Sie sich für eine Partnerschaft zum Thema "Stromverteilnetze: Drehscheibe oder Engpass der Energiewende?" entschieden?

Die Energiewende ist eines der drängendsten Themen dieser Zeit und steht bei uns weit oben auf der Agenda. Deutschland ist unter den Vorreitern im Umbau des Energiesystems hin zu einer CO2-neutralen Energieversorgung. 

Bei den Stromverteilnetzen und deren Betreibern ist in den letzten Jahren viel passiert. Wir beobachten zunehmend Digitalisierungs- und Transformationsbestrebungen. Die Verteilnetzbetreiber stehen jedoch immer noch am Anfang der Transformationswelle, deren Höhepunkt wir voraussichtlich im Jahr 2028 erwarten. 

Für eine gelungene Energiewende müssen alle Netzanschlussteilnehmenden einem neuen, digitalen und flexiblen Energieversorgungssystem angehören. Als eines der führenden Beratungsnternehmen für die digitale Transformation weltweit, wollen wir dabei unterstützen.


Was sind die größten organisatorischen und betriebswirtschaftlichen Herausforderungen diesem Bereich?

Wir sehen aktuell einen signifikanten Anstieg bei der Anzahl von Netzanschlussanfragen im Verteilnetz. Dieser Trend wird anhalten und zu weiterem Aus-  und Umbaubedarf im Netz führen. Mit der Einführung des §14a EnWG ergibt sich ergänzend die Möglichkeit, Verbraucher netzdienlich zu steuern, um den Netzausbaubedarf meistern zu können. Dies erfordert eine komplett neue Kommunikations- und Steuerungsinfrastruktur für die Netze sowie für diese Anschlussteilnehmer.

In Summe ist es eine Mammutaufgabe, die Stromverteilnetze auf Ihre neue Rolle als vernetzendes Element für Flexibiltäten bzw. als Flexibiliätspool vorzubereiten und die stetig wachsenden Kundenanforderungen zeitnah bedienen zu können, ohne Versorgungsqualiät und Sicherheit zu gefährden.

Organisatorisch müssen die beteiligten Unternehmen dazu ihren Generationenwechsel meistern, die Personalstärke in verschiedenen Bereich weiter erhöhen, Fähigkeiten anpassen und parallel eine bessere Gesamteffizienz in allen Prozessen erzeugen. All das geht nur mit dem wirklichen Willen zu Veränderung sowie einer durchgängigen Digitalisierung und Datenzentrierung. 

 

Welche neuen Wettbewerber aber auch neue Geschäftsmodelle ergeben sich für die Netzbetreiber?

Der Aus- und Umbau der Stromverteilnetze ist finanziell eine große Herausforderung. Viele Netzbetreiter sind daher bemüht, die vorhandenen Fähigkeiten auch im nicht regulierten Markt anzubieten, um dem steigenden Effizienz- und Kostendruck der BNetzA begegnen zu können. Hiermit begiebt man sich natürlich in wettbewerbliche Situationen mit lokalen Anbietern ähnlicher Leistungen. Der Netzbetrieb selbst ist und bleibt ein reguliertes Monopol und der Wettbewerb findet hier weiterhin im Konzessionsumfeld statt. Auch hier ist hohe Effizienz sicherlich förderlich. 

Für das nicht regulierte Umfeld erkennen wir großes Interesse, zunehmen auch von der Automobil- und Telekommunikationsindustrie, die die Kunden auch gut kennen und diesen Zugang monetarisieren werden. Zudem sehen wir, dass der sehr liquide deutsche Strommarkt und die Möglichkeit zur Nutzung von Flexibilitäten auch internationale Energieversorgungsunternehmen anziehen.

Alexander Kotschi

Leitung Geschäftsbereich Energie, Ramboll Deutschland

Warum haben Sie sich für eine Partnerschaft zum Thema „Wasserstoffhochlauf: Kosteneffiziente Systemoptimierung mit grünem Wasserstoff“ entschieden?

Wir haben uns für eine Partnerschaft mit dem BDEW entschieden, da wir als Unternehmen genau wie der BDEW mit seinem 2.000 Mitgliedsunternehmen die Transformation und Dekarbonisierung des Energiesektors mit nachhaltigen und zukunftsfähigen Lösungen vorantreiben wollen. Wir verstehen, wie wichtig und essenziell eine solche koordinierte und zielorientierte Zusammenarbeit für die Erreichung der Klimaziele ist. Als internationales Beratungsunternehmen mit einem Schwerpunkt auf nachhaltigen Lösungen für die Energiewirtschaft haben wir insbesondere die Optimierung der Energiesysteme, Förderung von erneuerbaren Energien, Energieeffizienz und die Integration innovativer Technologien wie grüner Wasserstoff im Blick.


Wie sehen Sie die zukünftige Wirtschaftlichkeit von Wasserstoff in Deutschland?

Ob Wasserstoff als alternativer Energieträger sich langfristig wirtschaftlich rechnet hängt von einer Reihe von Faktoren ab. Man muss sich genau anschauen, für welche Anwendungsgebiete Wasserstoff das größte Potenzial zur Dekarbonisierung bietet und hier schon früh Abnehmervereinbarungen treffen. Dabei sehen derzeit die Anwendungen in Industrie und Mobilität am vielversprechendsten aus.  

Ein wichtiger Faktor ist die Verfügbarkeit von günstigem grünem Strom, denn nur so können wir die Kosten für die Herstellung sinken und die Wettbewerbsfähigkeit verbessern. Hier müssen frühzeitig Bezugsvereinbarungen abgeschlossen werden. 

Darüber hinaus spielen politische Maßnahmen eine entscheidende Rolle bei der Förderung der Wasserstoffwirtschaft. Subventionen, Förderprogramme und regulatorische Rahmenbedingungen können natürlich dazu beitragen, Investitionen in Gang zu bringen.


Was sind die wichtigsten politischen Weichenstellungen für einen wirtschaftlichen H2-Hochlauf?

Meiner Meinung nach braucht es ein konzertiertes Vorgehen der verschiedenen Stakeholder, um die Infrastruktur aufzubauen, Investitionen anzukurbeln und Marktmechanismen zu schaffen, die die Nutzung von Wasserstoff fördern. Solche Instrumente sind die Förderung von ersten größeren Elektrolyse-Projekten, klare Regulatorik für Finanzierungs- und Planungssicherheit, steuerliche Anreize für Unternehmen, die auf Wasserstoff setzen und Förderung der nationalen und europäischen Zusammenarbeit für einen raschen Ausbau der Transportinfrastruktur.

Henry Otto

Partner und Leiter Energy Consulting, PwC Deutschland

Warum haben Sie sich für eine Partnerschaft zum Thema "Kapital für die Energiewende – Woher nehmen?!" entschieden?

Der Umbau unseres Energiesystems zu einem weitgehend klimaneutralen System wird in weiten Teilen durch die Energieversorger und Stadtwerke umgesetzt. Dies stellt die Energieversorger vor enorme Herausforderungen, da vielfach unklar ist, wie hoch der Investitionsbedarf ist und welche Technologien, insbesondere in der Wärmeversorgung, die sinnvollsten darstellen. Daneben erschweren fehlende interne und externe Ressourcen für den Aus- und Umbau der Energie- und Wärmeversorgung. Hinzu treten zunehmende Schwierigkeiten bei der Kapitalbeschaffung, da die Fördermittel unsicherer geworden sind und sich zeitgleich Kredite deutlich verteuert haben.


Wie sehen Sie die Kapitalbedarfe für die Energietransformation über einen längeren Zeitraum? 

In unserer Studie haben wir ermittelt, welche Investitionen für den Umbau unseres Energiesystems bis 2050 erforderlich sind. Betrachtet man ausschließlich die Investitionen, die die Energiewirtschaft für Netzaus- und -umbau sowie THG-neutrale Energieerzeugung aufbringen muss, so kann dies mit fast einer Billion bis 1,3 Billion Euro beziffert werden, je nach dem Tempo in der Umsetzung.


Wie schätzen Sie die Kapitalmarktfähigkeit der Energieversorger ein? 

Seit 2014 analysiert PwC regelmäßig die finanzielle Verfassung von mehrheitlich kommunalen EVUs auf Basis ihrer veröffentlichten Jahresabschlüsse. Man kann dort deutlich nachvollziehen, dass die Investitionstätigkeiten zunehmen. Dadurch nehmen jedoch die Verschuldungsgrade zu und Eigenkapitalquoten gehen zurück. Diese Finanzlage, welche sich durch die gestiegenen Zinsen verschärft hat, nötigt EVUs dazu, intensiv ihre individuelle wirtschaftliche Lage zu analysieren und zukunftsweisend die Weichen zu stellen. Denn mit den hohen Investitionsanforderungen der kommenden Jahre wird sich die Situation nicht entschärfen. Wie dies gelingen kann und welche Schritte sinnvoll vollzogen werden, diskutieren wir in unserer Themensession am 5. Juni 2024 um 16:40 Uhr auf dem BDEW Kongress

Nina Scholz

Country Manager Germany, Equinor

Warum haben Sie sich für eine Partnerschaft zum Thema „Wasserstoffimporte: Verfügbarkeit, Transport und Infrastruktur“ entschieden?

Wenn wir in Deutschland bis 2045 klimaneutral werden möchten, kommen wir um Wasserstoff nicht herum. Die Bundesregierung macht in der Fortschreibung der Nationalen Wasserstoffstrategie deutlich, dass in den 2030er-Jahren und danach ein Großteil des deutschen Bedarfs an Wasserstoff und seinen Derivaten aus Importen gedeckt werden muss. Equinor investiert in Norwegen und in ganz Europa in Wasserstoffprojekte und kann in vergleichsweiser kurzer Zeit große Mengen zur Verfügung stellen. Damit die deutschen Ziele für den Einsatz von Wasserstoff und die Dekarbonisierung der Industrie für 2030 erreicht werden können, müssen so bald wie möglich eine Vielzahl an Weichen gestellt werden. Wie das gelingen kann, möchten wir auf dem BDEW-Kongress diskutieren.


Was sind die größten Herausforderungen bei der internationalen Beschaffung von Wasserstoff?

Damit morgen der Wasserstoff in ausreichenden Mengen bei der deutschen Industrie ankommt, müssen heute viele Dinge gleichzeitig angegangen werden. Schon jetzt müssen für den Import die notwendigen Voraussetzungen geschaffen werden, sodass in den nächsten Jahren genügend Wasserstoff für die Transformation der Industrie zur Verfügung steht. Dazu gehört die Errichtung der gesamten Wertschöpfungskette, d.h. die Erzeugung von Wasserstoffanlagen im In- und Ausland, der der Bau von Importterminals, Import-Pipelineinfrastruktur, die Anbindung an das Wasserstoff-Kernnetz und Speicher. Eine große Herausforderung liegt aus meiner Sicht in der Gleichzeitigkeit mit vielen anderen Aufgaben: Der Bau des Kernnetzes und die Umstellung energieintensiver Prozesse von fossilen Energien auf Wasserstoff, um nur zwei zu nennen. Dabei sollten wir alle Technologien zulassen, die nachweislich die CO2-Emmissionen reduzieren. Wenn all diese Aufgaben in der notwendigen Geschwindigkeit angegangen werden, kann der Wasserstoffhochlauf in Deutschland zum Erfolg werden.


Welche Rolle werden Pipelines bei der Belieferung Deutschlands mit Wasserstoffspielen?

Pipelines werden eine herausragende Rolle bei der Deckung der deutschen Nachfrage nach Wasserstoff spielen. Wenn es um den zuverlässigen Transport großer Mengen mit möglichst wenig Emissionsverlusten geht, können sie ihre Vorteile voll ausspielen. Doch um den Bedarf zu decken, braucht Deutschland einen Mix an Importinfrastruktur. Dazu gehören neben Pipelines auch Empfangsterminals für Ammoniak und flüssigem Wasserstoff. Die deutsche Bundesregierung und die norwegische Regierung haben Anfang 2023 bekräftigt, eine Wasserstoffpipeline von Norwegen nach Deutschland weiter zu verfolgen. Eine solche Pipeline könnte in den 2030er-Jahren einen erheblichen Beitrag zur Deckung des deutschen Wasserstoffbedarfs leisten.

Thomas König

Vorstand Energienetze, E.ON

Warum haben Sie sich für eine Partnerschaft zum Thema „Stromverteilnetze, Drehscheibe oder Engpass der Energiewende“ entschieden?

Die beschleunigte Energiewende bedeutet für unsere Wirtschaft und Gesellschaft eine historische Transformation. Die Stromnetze – insbesondere die Verteilnetze – sind die zentrale Infrastruktur der Energie-, Wärme- und Verkehrswende. Deshalb muss der Netzausbau führend bei der Umsetzung der Energiewende sein. E.ON investiert in den nächsten 5 Jahren 25 Mrd. Euro in die deutschen Netze und baut diese in historischem Tempo aus. Ich freue mich, im Rahmen des BDEW-Kongresses einen Einblick zu geben, wie wir mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien, Wärmepumpen sowie Ladeinfrastruktur mithalten.


Was bedeuten die Klimaziele für die Stromverteilnetze?

Die Auswirkungen der beschleunigten Energiewende merken wir bereits heute deutlich in unseren E.ON-Netzen. Als Netzbetreiber setzen wir alles daran, die Energiewende möglich zu machen und Erneuerbare und Verbraucher schnellstmöglich anzuschließen. Im letzten Jahr haben wir dabei zahlreiche Herausforderungen gemeistert und einige wichtige Meilensteine erreicht: In Deutschland wurde beispielsweise die einmillionste erneuerbare Energien Anlage an unser E.ON-Verteilnetz angeschlossen. Eine Leistung, die wir über einen Zeitraum von 15 Jahren erbracht haben! In nur sieben Jahren sollen nun weitere 3 Millionen Erneuerbare an unser Netz gehen – dazu kommen noch weiter 3 Millionen dezentrale Verbraucher. Die Reserven, die wir in der Vergangenheit im Netz hatten, sind nahezu ausgeschöpft. Es bedeutet eine nationale Kraftanstrengung für alle Beteiligte, die Netze in noch nie dagewesenem Tempo auszubauen und zu verstärken. 

 

Wie begegnen Sie den neuen Anforderungen an die Verteilnetze?

Wir bei E.ON arbeiten mit Hochdruck daran Netzanschlüsse schnell bereitzustellen. Wir vereinfachen, digitalisieren und automatisieren unsere Prozesse konsequent. Beim Anschluss neuer Verbraucher mit hohem Leistungsbedarf – beispielsweise Supercharger – arbeiten wir zudem an neuen technischen Lösungen, um die Integration an das vorhandene Stromnetz schneller zu ermöglichen. 

Netzausbau ist und bleibt weiterhin das Gebot der Stunde. Auch hier versuchen wir durch neue Standards einen schnelleren und flexibleren Netzausbau zu forcieren. Wir Verteilnetzbetreiber „können“ Energiewende! Wir haben die Erfahrung der letzten 20 Jahre. Die Herausforderung ist jedoch das Tempo – und das hängt nicht nur von uns ab. Netzausbau ist eine Verantwortungsgemeinschaft. Nur wenn alle an einem Strang ziehen, wird das Generationenprojekt Energiewende gelingen.

Frank Westphal

Chief Executive Officer, Omexom Deutschland

Warum haben Sie sich für eine Partnerschaft zum Thema „Fachkräfte: Menschen finden – binden - bilden“ entschieden?

Weil die Menschen der entscheidende Faktor in unserer Branche sind. Nur wenn wir gemeinsam an Lösungen arbeiten, die es uns erleichtern, geeignete Arbeitskräfte zu finden, langfristig zu binden und weiterzubilden, können wir die Herausforderungen der Zukunft meistern und die Energiewende erfolgreich und zeitnah umsetzen. Aber auch über unsere Branche hinaus halte ich es für elementar wichtig, dass Deutschland als Arbeitsstandort attraktiver wird, um den sich bereits abzeichnenden Arbeitskräftemangel durch ausländische Fachkräfte ausgleichen zu können.. 


Was erwarten junge Arbeitskräfte von ihren Arbeitgebern? 

Flexibilität, Weiterbildungsmöglichkeiten, eine offene Unternehmenskultur und die Möglichkeit, einen Beitrag für eine nachhaltige Zukunft zu leisten, sind für viele wichtiger als ein attraktives Gehalt oder gar ein sicherer Arbeitsplatz. Sie wollen Spaß an der Arbeit haben und einen klaren Weg für ihre berufliche Perspektive aufgezeigt bekommen. Sind diese Voraussetzungen gegeben, sind die meisten auch bereit, viel zu leisten und sich zu engagieren.


Wie können sich Unternehmen auf die künftigen Anforderungen personell vorbereiten?

Dazu müssen die Unternehmer in dreierlei Hinsicht aktiv werden: Erstens sollte alles daran gesetzt werden, die vorhandenen guten Arbeitskräfte im Unternehmen zu halten, da sie nicht nur wichtige Erfahrungsträger für das Unternehmen sind, sondern auch als wichtige Orientierungshilfe bei der Einarbeitung neuer Mitarbeitende benötigt werden. Zum anderen sollten alle Mitarbeitenden kontinuierlich weiterentwickelt und gefördert werden, um die Lücken, die durch das Ausscheiden erfahrener Mitarbeitenden entstehen, so schnell wie möglich zu schließen. Um darüber hinaus die anstehenden Personalabgänge bei gleichzeitig steigendem Projektvolumen kompensieren zu können, müssen sowohl neue Wege der Personalrekrutierung beschritten als auch die Onboarding- und Einarbeitungsprozesse bestmöglich optimiert werden.  

Markus Becker

Executive Director, Strategic Positioning and Business Development, GE Vernova’s Consulting Services

Warum haben Sie sich für eine Themenpartnerschaft „Kraftwerksstrategie: Zwischen Anspruch und Wirklichkeit“ entschieden?

Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, möglichst bis 2030 aus der Kohleverstromung auszusteigen. Dieses Ziel war von Anfang an ambitioniert und ist aktuell eher unwahrscheinlich. Neben dem massiven Ausbau der erneuerbaren Energien braucht Deutschland dringend zusätzliche gesicherte und flexibel einsetzbare Kraftwerksleistung. Als Energiesystemexperte kann GE Vernova in den nächsten Jahren einen wichtigen Beitrag zum Bau von wasserstofffähigen Gas- und GuD-Kraftwerken in Deutschland leisten. Für unsere Kunden ist es jedoch von entscheidender Bedeutung, dass sie so schnell wie möglich einen sicheren Rahmen für ihre Investitionen in den Kraftwerkspark erhalten. Ein zügiger Start der in der Kraftwerksstrategie (KWS) vorgesehenen Ausschreibungen ist daher unerlässlich.


Was wären Ihre Wünsche an eine zielgerichtete Kraftwerksstrategie?

Ein effektiver Ansatz für die Entwicklung von Kraftwerken sollte eine langfristige Planung und Investitionssicherheit in den Mittelpunkt stellen, um sowohl den aktuellen als auch den zukünftigen Zubau zu gewährleisten. Als Technologieanbieter für das gesamte Energiesystem hoffen wir auf eine Strategie, die zügige Investitionen in dekarbonisierbare Gaskraftwerke priorisiert. Besonders wichtig sind solche, die mit Wasserstoff betrieben werden können oder Technologien zur Kohlenstoffabscheidung integrieren, um erneuerbare Energiequellen zu unterstützen und gleichzeitig ein robustes und kosteneffizientes Stromsystem sicherzustellen. Wir setzen uns für ein Marktdesign ein, das flexible und saubere Technologien belohnt, um die Sicherstellung ausreichender Kapazität und Zuverlässigkeit im Stromnetz zu ermöglichen. Der Ausbau der Infrastruktur, einschließlich der Stromnetze, des CO2-Transports und der Bereitstellung von Wasserstoff und alternativen Brennstoffen, ist unerlässlich. Zusätzlich bedarf es einer entschlossenen politischen Führung, um transparente Marktregeln zu etablieren, die eine aktive Teilnahme möglichst vieler Akteure fördern und eine stärkere Integration in den europäischen Strommarkt vorantreiben.


Was sind die größten regulatorischen und wirtschaftlichen Herausforderungen der zukünftigen Versorgungssicherheit?

Zu den größten regulatorischen Herausforderungen für die zukünftige Versorgungssicherheit in Deutschland gehören die Bewältigung des Übergangs zu erneuerbaren Energiequellen bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung der Netzstabilität, die Bewältigung des Ausstiegs aus der Kohle- und Kernkraft und die Gewährleistung eines fairen Wettbewerbs auf dem Energiemarkt. 

In wirtschaftlicher Hinsicht geht es darum, die Kosten für den Übergang zu nachhaltiger Energie für Industrie und Verbraucher bezahlbar zu gestalten, dabei sollten alle Technologien die effektiv und kosteneffizient zur Dekarbonisierung beitragen können unterstützt werden. Des weiteren geht es darum in die Modernisierung der Infrastruktur zu investieren, um ein dezentraleres Energiesystem zu unterstützen. Darüber hinaus stellen geopolitische Faktoren und die Abhängigkeit von Energieimporten und kritischen Rohstoffen ein zusätzliches Risiko für die Versorgungssicherheit dar.

Kevin Van Delden

Head of Origination, EDP Renewables Deutschland

Warum haben Sie sich für eine Partnerschaft zum Thema „Doppelte Ernte: Mehr Fläche für Erneuerbare“ entschieden?

EDP Renewables ist ein Global Player in der Entwicklung von erneuerbaren Energien. Wir sehen uns als Pioniere der Erneuerbaren und engagieren uns sehr die Energiewende durch Weiterentwicklung und Ausbau voranzutreiben. EDP Renewables engagiert sich für Innovationen und Technologien für erneuerbare Energien und für uns ist es ein logischer Schritt im Stromsektor mehr auf hybride EE-Projekte zu setzen. Dadurch kann langfristig die Effizienz der Projekte gesteigert werden, bspw. durch eine gemeinsam genutzte Infrastruktur, mehr Preisstabilität und einer geringeren Auswirkung auf Landschaft und Umwelt, wenn Flächen effizienter genutzt werden.

Wir haben bereits 15 Wind-PV-Hybridprojekte, teils im Bau und teils in der Entwicklung, mit insgesamt mehr als 200 MW an erneuerbaren Kapazitäten. In Portugal befindet sich Europas größte Floating-PV-Anlage und wir planen erste Agri-PV-Projekte in Deutschland, wobei wir auf langjährige Expertise zurückgreifen können. Wir haben Erfahrungen in der doppelten Nutzung von Flächen, sehen den Mehrwert darin diese EE-Projekte voranzutreiben und dem Thema mehr Gehör zu verschaffen.


Welche verschiedenen Möglichkeiten bietet Agri-PV?

Um die Energiewende voranzutreiben, müssen neue Flächen für erneuerbare Energien erschlossen werden. Gerade im Bereich Agri-PV gibt es Potenziale für eine doppelte Flächennutzung. Bei einer effizienten Kombination von Landwirtschaft und Energieerzeugung können sich erfolgreiche Synergien ergeben, wie beispielweise bei der Kombination von Weidehaltung und PV-Anlagen. Die Grasfläche wird gepflegt, die Nutztiere erhalten Futter und die PV-Anlage generiert erneuerbaren Strom. Zugleich bieten die Anlagen Schutzmöglichkeiten bei verschiedenen Wetterbedingungen.

Aktuell befinden wir uns bei EDP Renewables in der Projektplanung für verschiedenen Agri-PV-Projekte in Deutschland. Dabei liegt unser Fokus auf Flächen mit Anbau für Nutzpflanzen. Und auch für Bauern ist Agri-PV ein attraktives Konzept, da wir als Projektentwickler, Erbauer und Betreiber dem Bauern langfristig Sicherheit für das Projekt bieten.

Beispiel Deutschland: bauernzeitung.de/agrarpraxis/erneuerbare-energien/agri-pv-ostrau/


Wie lassen sich Erzeugung und Speicherung bei PV-Anlagen verbinden?

Bei EDP Renewables sind wir der Ansicht, dass die zunehmende Ausweitung erneuerbarer Energien eine zunehmende Integration mit Speichersystemen wie Batterien erfordern wird. Nur so kann langfristig die geforderte Flexibilität im Stromsystem gewährleitstet werden, was unabdingbar für den weiteren Ausbau sein wird.

In Kombination mit PV-Anlagen bieten Batterie-Großspeicher eine gute Möglichkeit in einer sonnenreichen Zeit den überflüssigen Strom zu speichern und diesen bei einem erhöhten Bedarf wieder ins Netz zu speisen. So können Fluktuationen ausgeglichen und das Potenzial der PV-Anlage besser genutzt werden. Der Großspeicher wird dabei separat neben der Anlage aufgestellt. Zukünftig wird dies auch eine größere Rolle bei Onshore spielen sowie bei hybriden Projekten aus Onshore und PV.

Nichts verpassen mit dem Kongress-Newsletter!